Donnerstag, 25. Juli 2019

Digitales Ortsnetz

Das Pilotprojekt zwischen Stromnetz Hamburg und der Siemens AG trägt zu einem stabilen und zuverlässigen Netzbetrieb bei. Ein wichtiger Schritt zur dezentralen Überwachung des Netzes und der Steuerung von privaten Ladestationen.

Hamburg ist bekannt für seinen aktiven Ausbau der Elektromobilität. Die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur wird bis Ende 2019 auf 1.000 Ladepunkte gewachsen sein. Bis 2030 werden ca. 100.000 Elektroautos in Hamburg erwartet, die in erster Linie auf privaten Grundstücken mit Privatladestationen geladen werden. Damit ist ein deutlicher Anstieg des Strombedarfs bei Privathaushalten, mehrheitlich in den Abendstunden, vorprogrammiert und eine Vorbereitung des Netzes notwendig.

Stromnetz Hamburg steht als Netzbetreiber vor der Herausforderung, die Versorgungssicherheit seines Verteilungsnetzes, insbesondere der Ortsnetze in der Niederspannung, trotz steigender Integration privater Ladeinfrastruktur zu gewährleisten. Die Mobilitätsbedürfnisse seiner Endkunden unter anderem im Verkehrssektor sollen befriedigt und ein optimaler Zugang zum Stromnetz ermöglicht werden. Mit dem dreijährigen Projekt arbeiten die Partner gemeinsam an Lösungskonzepten für die Digitalisierung der Niederspannungsebene im Verteilungsnetz.

Im klassischen Verfahren würden die Niederspannungsnetze an die neue Netzsituation angepasst, indem neue Kabel verlegt oder die vorhandenen verstärkt werden, Transformatoren und Schaltgeräte ergänzt oder durch leistungsfähigere ausgetauscht werden. Da die Überlastung in den Ortsnetzen aber nicht permanent auftritt, sondern nur sporadisch, kann eine mögliche Flexibilität der angeschlossenen Privatla-destationen Abhilfe schaffen.

Hier greift das neue Konzept von Siemens für eine resiliente Informations- und Kommunikationstechnik zur Digitalisierung von Ortsnetzen. Durch steuernde Eingriffe in den Ladebetrieb lässt sich das Netz durch Lastverschiebungen bzw. Lastbegrenzungen bereits auf der Niederspannungsebene entlasten. Das Digitale Ortsnetz bestimmt anhand von Messungen in der Ortsnetzstation die Belastung des Niederspannungsnetzes. Im Falle von Überlastungen des Transformators oder der angeschlossenen Kabel werden Korrektursignale an die angeschlossenen Ladeeinrichtungen der Elektrofahrzeuge gesandt, um die Leistungsaufnahme der angeschlossenen Elektrofahrzeuge zu reduzieren und so die Überlastungen abzubauen.
Sobald die Überlastung vorüber ist, wird die Begrenzung aufgehoben und die Fahrzeuge mit der hersteller- und hardwareseitig maximalen Leistung weitergeladen.

Mögliche auftretende Kapazitätsengpässe können so vermieden und damit eventuell ein notwendiger Netzausbau bzw. -verstärkung abgewendet werden. Stromnetz Hamburg kann somit weitere Gemeinkosten verringern und einen schnelleren Anschluss der privaten Ladesäulen gewährleisten.

Thomas Volk, Geschäftsführer Stromnetz Hamburg GmbH: “Unsere beide Unternehmen bewegen sich hier auf neuem Gebiet, denn es gibt noch keine abschließenden technischen und regulatorischen Rahmenbedingungen Das wird sich erst mit Entwicklung während der drei Projektphasen ein finales Lösungskonzept ergeben. Unser Projektziel ist aber klar definiert, wir streben eine flächendeckende Serien-lösung an, die in unser Verteilungsnetz integriert wird und somit eine Überlastung auf den Leitungsabschnitten verhindert. Damit sind wir auf die kommenden Lastanforderungen der Elektromobilität gut vorbereitet.“

Sonja Neubert, Leiterin der Hamburger Siemens-Niederlassung: „Siemens hat in internen und externen Forschungsprojekten ein Konzept für eine resiliente Informations- und Kommunikationstechnik zur Digita-lisierung von Ortsnetzen entwickelt, die einen stabilen und zuverlässigen Betrieb der Niederspannungs-netze sichert. Unsere Lösung ermöglicht, dass sich Ortsnetze zukünftig an den Netzdienstleistungen rund um die Elektromobilität beteiligen können.“

Presseanfragen:
Lars Kläschen, Siemens AG, Lindenplatz 2, 20099 Hamburg, Telefon 040 2889 2309, E-Mail lars.klaeschen@siemens.com
Anette Polkehn-Appel, Stromnetz Hamburg GmbH, Bramfelder Chaussee 130, 22177 Hamburg, Telefon 040 49202 8344, E-Mail presse@stromnetz-hamburg.de