Montag, 27. Januar 2020

Umspannwerk der Zukunft

Stromnetz Hamburg führt Norm IEC61850 ein – Neues Prüflabor geht in Betrieb

Wie sehen die Umspannwerke von morgen aus? Welchen Anforderungen und Standards müssen sie aufgrund veränderter Energielandschaften erfüllen? Welche Konzepte und Lösungen sind machbar?

Mit diesen und ähnlichen Fragestellungen befassen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Stromnetz Hamburg und Kooperationspartner in unterschiedlichen Innovationsprojekten. Dazu gehört auch der Einsatz neuartiger, auf dem Standard IEC 61850 (International Electrotechnical Commission – IEC) basierender, Sekundärtechnik. Zielsetzung ist die kurz- bis mittelfristige Verringerung von Investitionskosten (CAPEX), verbunden mit einer Reduzierung der bisherigen operativen Aufwendungen (OPEX), über die Gesamtlaufzeit (Life-Cycle-Costs, LCC) einer Anlage.

Das neue Prüflabor wurde durch die Sekundärtechnik von Stromnetz Hamburg geplant und bereits im November 2019 in Betrieb genommen. Es bietet die Möglichkeit, verschiedene sekundäre 110-kV- und 10-kV-Anlagenkonzepte darzustellen und auf ihre Einsetzbarkeit im Hamburger Verteilnetz zu überprüfen.

Der Laborbetrieb ist gruppenübergreifend ausgerichtet, um alle Belange der Übertragungs-, Leit- und Schutztechnik zu beurteilen. Im Rahmen der Kooperationsvereinbarung zwischen Stromnetz Hamburg, Siemens und der TU Hamburg, kommen in den ersten Versuchsanordnungen ausschließlich Gerätetechnik von Siemens zum Einsatz. Verwendet wird hier die neueste Generation an Schutzgeräten der SIPROTEC5-Baureihe sowie Leittechnik der Serie SICAM A8000. Um im späteren Betrieb eine Interoperabilität und Interkompatibilität der verschiedenen Gerätehersteller zu gewährleisten, werden im weiteren Verlauf der Untersuchungen zusätzliche Hersteller, wie z. B. ABB und Sprecher Automation in den Prüfaufbau integriert.

Prozessabläufe - Quelle: Sprecher Automation GmbH

Hintergrundwissen zur IEC 61850
Die Norm IEC 61850 regelt die Kommunikation aller leit- und schutztechnischen Sekundärgeräte eines Umspannwerks bzw. einer Schaltanlage. Neben einer deutlich leistungsfähigeren Gerätehardware er-öffnet diese herstellerübergreifende Normung neue Möglichkeiten. Ein Teilaspekt ist die Reduzierung von Kupferverbindungen innerhalb der Anlage. Die Einführung einer zukünftigen Prozessebene ermöglicht es, alle prozessrelevanten Informationen wie Strom- und Spannungsmessungen, sowie Komman-dostrukturen direkt am Prozess (Wandler, Leistungsschalter) zu digitalisieren und per Netzwerkverbindung durchgängig zu übertragen.

Presseanfragen:
Anette Polkehn-Appel, Stromnetz Hamburg GmbH, Bramfelder Chaussee 130, 22177 Hamburg,
040 49202 8344, presse@stromnetz-hamburg.de